Geschichte

Historisches zum Bier


sumerer.jpgWoher kommt unser Bier eigentlich? Wer kam auf die Idee ein solches Getränk herzustellen? War es einfach purer Zufall, ein Getränk aus Getreide und Wasser zu kreieren?
Nun, vergorener Brotteig war wohl mit großer Wahrscheinlichkeit der Ausgangspunkt für die Herstellung eines Getränkes, das wir als erstes Bier bezeichnen können. Überliefert ist uns das in Bildern und Keilschriften der alten Sumerer, die vor mehr als 6000 Jahren im Gebiet zwischen Euphrat und Tigris ansässig waren. Vor dieser Zeit gibt es keine uns bekannten Nachweise oder Aufzeichnungen über die bewusste Herstellung eines vergorenen Getränks.

Einiges spricht dafür, dass es Bier immer gegeben hat, seit der Mensch Getreide als Nahrungsgrundlage genutzt hat. Die Entstehung des Bieres aus Getreide, im Wasser eingelegt, ist naheliegend. Denn man hat es in früherer Zeit sehr wahrscheinlich als Brei gegessen, als Suppe gelöffelt und schließlich als "Getreidesaft" getrunken.

Und gerade weil das Bier die Menschen seit so langer Zeit begleitet, ist die Herkunft des Wortes "Bier" nicht mehr mit Sicherheit nach zu vollziehen. Für unseren Sprachraum wird das Wort "Bier" aus dem germanischen Wortstamm für brodeln (brauen) abgeleitet. Allerdings haben bereits Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass das Gotische ein solches Wort nicht kannte. Daher könnte es sich bei "Bier" auch um ein lateinisches Lehnwort, abgeleitet vom vulgärlateinischen "biber" (der Trunk) handeln.

sumerer1.jpgDie Sumerer nahmen wohl die Veränderungen an stehengelassenem Brotteig wahr. Diese waren auf vom Wind herbeigewehte wilde Hefen zurückzuführen. Als die Sumerer dann kosteten und schließlich die Vorgänge bewusst wiederholten, also zu brauen begannen, hatten sie ein Getränk für Götter und Könige entdeckt. Folglich wurde hier auch den Göttern geopfert.


gilgamesch.jpgUm ca. 2.000 v. Chr. entstand eines der ersten Großwerke der Weltliteratur: das Gilgamesch-Epos. Das Bier spielt hier, gleich neben dem Brot, eine große Rolle bei der Menschwerdung; also bei der Entwicklung vom Urmenschen, zum damals "modernen", kultivierten Menschen. "Iß nun das Brot, oh Enkidu, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es des Landes Brauch!"


babylonier.jpgAuch in Babylon kannte man schon viele verschiedene Biere. Weil die damaligen Biere nicht klar und blank (gefiltert) waren, benutzte man Trinkröhrchen, wie heute einen Strohhalm, um die festen Rückstände der Bierbereitung nicht mittrinken zu müssen. Das Bild mit den babylonischen Biertrinkern belegt dieses Trinkverhalten.

Der Bevölkerung standen "Bierdeputate" nach ihrer sozialen Stellung zu. Arbeiter und Angestellte erhielten 2 Liter Bier täglich, Verwalter und mittlere Beamte 3 Liter Bier, Provinzverwalter und Oberpriester 5 Liter Bier, weibliches Personal bei Hofe und in den Tempeln 3 Liter süßes Bier. So war Bier fest mit dem öffentlichen und sozialen Leben verwoben.


aegyptenbrauer.jpgDarstellung eines ägyptischen Brauers um ca. 2400 v.Chr.













Auch bei den Ägyptern finden sich Darstellungen über die Bierbereitung wie diese ägyptische Wandmalerei aus dem Grab des Kenamom, etwa 1500 v. Chr.


aegypten1.jpgBei allen frühen Kulturen finden wir immer die Getreidearten, deren Anbau sich als günstig bei den jeweiligen klimatischen Bedingungen erwiesen hatte. So beherrschten der Emmer als Vorläufer des Weizens, der Weizen selbst und die Gerste den Orient und den Mittelmeerraum. Nordeuropa hatte zunächst Roggen- und Hirsekulturen. Überall, wo Getreide angebaut wurde, dürften sich die Erfahrungen wiederholt haben, dass Mehl oder Teig nach einiger Zeit in Gärung überging.
Auch nachdem die Kulturen des Vorderen Orients von denen Griechenlands und Roms abgelöst wurden, gehörte Bierbrauen weiterhin zum Alltag. Plinius berichtet von der Beliebtheit des Bieres im Mittelmeerraum, bevor der Weinbau sich dort eingenistet hatte. In den römischen Außenprovinzen, wo Wein weniger gut gedieh, wurde auch Bier gebraut. Germanische und nordische Stämme sowie die Kelten kannten die Bierherstellung.


trierbierverleger.jpgAus der Nähe von Trier stammt dieser Bierverlegerstein aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Er zeigt, dass Bier auch bei uns bereits ein Handelsobjekt war.

Wie bei vielen Völkern, spielte auch bei den Germanen das Bier als Opfer für die Götter eine wichtige Rolle. Der nordische Gott Ägir brachte sich der Sage nach in den Besitz eines großen Kessels und bewirtete die Götter und ihre Gäste mit Bier.

Bierbrauen war in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung ebenso wie das Brotbacken Sache der Frauen. Gelang ein Sud besonders gut, lud die "Dame des Hauses" ihre Nachbarinnen zum Bierkränzchen ein. Ein Brauch, aus dem später das Kaffeekränzchen entstand.