Reinheitsgebot

Herzog Wilhelm IV. von Bayern


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Auch wir brauen unser Bier noch heute nach dem Reinheitsgebot von 1516, der ältesten, noch heute gültigen Lebensmittelgesetzgebung der Welt! Sie wurde im Jahre 1516 durch Herzog Wilhelm IV. erlassen. Im April 1516 trat der bayerische Landständetag unter seinem Vorsitz zusammen. Dieser billigte die vom Herzog vorgelegte Vorschrift - und machte sie damit für ganz Bayern verbindlich - dass zur Herstellung des Bieres nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürften. Mit dieser Vorschrift wurde Verfälschungen vorgebeugt, vor allem aber wurden andere Zusätze ausgeschlossen, welche zu damaliger Zeit durchaus noch üblich waren. Die Rolle der Hefe war damals noch nicht bekannt. Der Grundtext ist bis heute kontinuierlich in neuere Gesetze überschrieben worden. Deutsches Bier darf in Deutschland laut Gesetz auch heute ausschließlich nur aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt werden.

urkunderhg.jpg Der Wortlaut der Urkunde von 1516 war folgender:

"Wir wöllen auch sonderlichen, das für an allenthalben in unsern Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stück als allein Gersten, Hopfen und Wasser genommen und gebraucht sölle werden."



albrecht4.jpg Natürlich hatte das Reinheitsgebot auch Vorläufer. So war 1165 bereits in Augsburg Strafe für "schlechtes" Bier verfügt worden. Das 1516 auf Bayern ausgedehnte Reinheitsgebot galt ursprünglich nur für München.
Herzog Albrecht IV. erließ darin am 20. November 1487 eine Anordnung, in der der Preis des Bieres einheitlich festgesetzt wurde. Und zwar die Maß Winterbier mit einem Pfennig, die Maß Sommerbier mit zwei Pfennigen.


Außerdem hatte seitdem jeder Brauer vor dem herzoglichen Rentmeister von Oberbayern den Preu-Aid zu leisten, wonach er "zu dem Bier nur Gerste, Hopfen und Wasser nehmen, dieses gewissenhaft sieden und nichts anderes dareintun wolle noch durch jemand anderen eine Beigabe gestatten solle". Man darf also Herzog Albrecht IV. als den ersten Träger des Gedankens des Reinheitsgebotes bezeichnen.

georgderreiche.jpg Als Anordnung für eine ganze bayerische Landschaft, nämlich Niederbayern, erließ dagegen erstmalig Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut ein Reinheitsgebot, indem er in seiner Biersatzordnung vom 16. Februar 1493 verkündete:
"Item die Bierbräuer und andere sollen auch nichts zum Bier gebrauchen denn allein Malz, Hopfen und Wasser, noch dieselben Bräuer auch die Bierschenken und andere nichts anderes in das Bier thun, bey Vermeidung von Strafe an Leib und Gut".



Der Text enthielt zur besseren Umsetzbarkeit auch gleich ein Strafmaß:

"Welcher aber diese unsere Ordnung wissentlich überfahren und nicht halten  wolle, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit das selbige Fass Bier zur Straf unnachlässlich, sooft es geschieht, genommen werden."

brauermittelalter.jpg Das Reinheitsgebot wird auch weiter Bestand haben. Ist es für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich, selbstverständliche Qualitätsvoraussetzung und fundamentales Gesetz unseres Berufsstandes. Sie haben die Garantie. Wir brauen weiterhin nach dem bayerischen Reinheitsgebot von Wilhelm dem IV von Bayern.




Hintergrund:

Bevor man Hopfen zur Konservierung und als Aroma in der Bierbrauerei einsetzte, wurden alle möglichen anderen Kräuter zum Würzen verwendet. Manche davon waren giftig und riefen Halluzinationen bei den Biertrinkern hervor. Zum Einsatz kamen Zusätze wie Wermut, Ochsengalle, Kümmel, Anis, Lorbeer, Schafgarbe, Wacholder, Schlehe, Eichenrinde, Fichtenwurzel, Rosmarin, Johanniskraut, Fichtenspäne und andere hochgiftige Substanzen.
Diesen Zutaten wurden mit dem Reinheitsgebot ein Ende bereitet.